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Glaukom

Beim Glaukom („grüner Star“) handelt es sich um eine fortschreitende Augenerkrankung, die unbehandelt zu Erblindung führen kann. Das Auftreten und Fortschreiten der Erkrankung erfolgt schleichend und wird vom Patienten in der Regel nicht bzw. nur in einem sehr späten Stadium bemerkt. Weltweit stellt das Glaukom die häufigste Ursache irreversibler Erblindung dar.

Welche Glaukomformen gibt es?

Am häufigsten ist das sog. primäre Offenwinkelglaukom, welches in der Regel keinerlei für den Patienten spürbare Symptome aufweist. Eine Variante davon ist das Normaldruckglaukom, bei welchem der Sehnerv trotz statistisch gesehen normal hoher Augeninnendruckwerte geschädigt wird. Die genauen Ursachen für das Normaldruckglaukom sind nach wie vor unklar – es wird angenommen, dass eine nicht ausreichende Durchblutung des Sehnerven eine wesentliche Rolle spielt. Das sog. akute Winkelblockglaukom tritt in unseren Breiten gegenüber beispielsweise Asien deutlich seltener auf. Im Gegensatz zum Offenwinkelglaukom ist es ein akutes Geschehen und durch Beschwerden wie eine Sehstörung (typischerweise Verschwommensehen oder Leuchtkreise um Lichtquellen), bohrende Schmerzen und Übelkeit gekennzeichnet.
Es gibt auch sekundäre Glaukomformen, bei denen andere Augen- oder Allgemeinerkrankungen (z.B. Gefäßverschlüsse der Netzhaut, Verletzungen, Augenentzündungen, Fehlbildungen, Pigment- oder Proteinablagerungen im Auge etc.) oder andere Ursachen (z.B. Steroidglaukom bei Einnahme oder Applikation von Kortison) ursächlich sind.

Die mit Abstand häufigsten Glaukomformen stellen das primäre Offenwinkelglaukom und das Normaldruckglaukom dar.
Ihre Frühstadien sind in der Regel gut zu behandeln und nur durch eine adäquate Früherkennungsuntersuchung beim Augenarzt zu erkennen.

Was genau ist das Glaukom?

Der Grüne Star betrifft zunächst das periphere Gesichtsfeld und schreitet langsam nach zentral fort.

Das Glaukom ist eine Erkrankung des Sehnerven, bei dem die den Sehnerven bildenden Sehnervenfasern (sog. Ganglienzellen) irreversibel geschädigt werden. Kommt es zu einer Schädigung dieser Nervenfasern, kann die Weiterleitung der Sehinformation zwischen Netzhaut und Gehirn nicht mehr erfolgen. Es resultieren Gesichtsfeldausfälle, die im Verlauf zunehmen, miteinander verschmelzen und unbehandelt bis zur völligen Erblindung führen können.
Typischerweise treten Gesichtsfeldschäden zu Beginn der Erkrankung im peripheren Gesichtsfeld auf und werden vom Patienten nicht bemerkt. Das Gehirn versucht, diese Schäden längstmöglich zu „kaschieren“, wodurch sie dem Patienten häufig erst in weit fortgeschrittenem Stadium bewusst werden.
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Was sind die Ursachen und Risikofaktoren für ein Glaukom?

Die genauen Ursachen für ein Glaukom sind nach wie vor unklar und Gegenstand intensiver Forschung. Eine Rolle spielt die Genetik. Es ist bekannt, dass Patienten mit an Glaukom erkrankten Angehörigen ein höheres Risiko haben, auch an einem Glaukom zu erkranken. Der Hauptrisikofaktor für die Entwicklung eines Glaukoms ist ein erhöhter Augeninnendruck. Früher wurden Personen mit erhöhtem Augeninnendruck (>21 mmHg) generell als Glaukompatienten bezeichnet. Ganz so einfach ist es jedoch nicht, da ein erhöhter Augeninnendruck nicht zwangsläufig pathologisch ist (siehe okuläre Hypertension) und auf der anderen Seite auch Patienten mit normal hohen Augeninnendruckwerten ein Glaukom haben können (siehe Normaldruckglaukom).
Weitere bekannte Risikofaktoren für ein Glaukom sind u.a. zunehmendes Alter, Kurzsichtigkeit, dunkle Hautfarbe oder zurückliegende Augenverletzungen, Entzündungen etc.
Bei den meisten an Glaukom erkrankten Personen ist die Ursache jedoch ungeklärt.

Was ist die okuläre Hypertension?

Bei der okulären Hypertension liegt ein gegenüber der Normalbevölkerung erhöhter Augeninnendruck (über 21 mmHg) vor, ohne dass das Auge oder das Gesichtsfeld Zeichen einer glaukomatösen Schädigung aufweisen. Die okuläre Hypertension muss nicht immer behandelt werden. Patienten haben jedoch gegenüber der Normalbevölkerung ein deutlich erhöhtes Risiko, in ihrem Leben an einem Glaukom zu erkranken. In Studien wurde das Risiko für die Entwicklung eines Glaukoms mit rund 10% in einem 5-Jahreszeitraum ermittelt (Ocular hypertension treatment study und European Glaucoma Prevention Study).

Welche Symptome kommen in der Regel vor?

Bei den häufigen Glaukomformen gibt es anfänglich keine Symptome wie Sehstörungen oder Schmerzen. Die zentrale Sehschärfe sinkt erst spät ab. Nämlich dann, wenn ein Großteil der Sehnervenfasern und das Gesichtsfeld bereits irreversibel zerstört sind.
Nur das seltene Winkelblockglaukom kann mit Beschwerden wie Sehstörungen, Schmerzen oder Übelkeit einher gehen.

Wie kann man das Glaukom diagnostizieren?

Die weit verbreitete Annahme, dass eine Augeninnendruck-Kontrolle zur Diagnostik oder zum Ausschluss eines Glaukoms ausreicht, ist falsch. In der Tat stellt ein erhöhter Augeninnendruck den Hauptrisikofaktor für ein Glaukom dar. Doch nicht jeder Mensch mit hohem Augendruck hat ein Glaukom. Und leider gibt es viele Menschen mit normalen Augeninnendruckwerten, die dennoch an einem Glaukom leiden.

Die Diagnose des Glaukoms

Mit einer adäquaten Früherkennungsuntersuchung kann man das Glaukom schon in sehr frühen Stadien erkennen. Optimalerweise dann, wenn noch keine Gesichtsfeldschäden aufgetreten sind.
Hierfür muss neben der Augeninnendruckmessung unbedingt eine Untersuchung der Struktur des Sehnervenkopfes erfolgen. Charakteristische Veränderungen der Sehnervenschicht am Sehnervenkopf (wie fokale oder diffuse Verdünnungen), der Aushöhlung des Sehnerven (sog. cup/disc-Ratio) oder der Nervenfaserbündel (z.B. Nervenfaserbündeldefekt) geben dem Augenarzt wichtige und oft auch eindeutige Hinweise auf die Erkrankung. Eine strukturelle Untersuchung des Sehnervenkopfes kann durch den Augenarzt mit Hilfe spezieller Lupen an der Spaltlampe erfolgen. Lasergestützte Verfahren, die die Nervenfaserschicht abtasten und insbesondere für Verlaufsbeurteilungen wertvoll sind, sind die optische Kohärenztomographie (OCT), die Scanning Laser Ophthalmoskopie (HRT) oder die Scanning Laser Polarimetrie (GDx). Auch ein Foto des Sehnervenkopfes kann eine Schädigung objektivieren und im zeitlichen Verlauf zum Fotovergleich herangezogen werden.

Eine Asymmetrie in der Aushöhlung des Sehnerven (hellerer Bereich in der Mitte der Sehnervenscheibe) ist glaukomverdächtig. In der rechten Abbildung ist die Aushöhlung deutlich größer als in der linken Abbildung.

Neben der strukturellen Untersuchung des Sehnervenkopfes ist auch die funktionelle Untersuchung im Rahmen der Diagnose und Verlaufsbeurteilung unverzichtbar. Diese beinhaltet für den Patienten eine Gesichtsfeldmessung (sog. Perimetrie), in welcher bereits vorhandene Defekte oder deren Voranschreiten im Verlauf beurteilt werden können. Im Vergleich zu den objektiven, strukturellen Messverfahren ist die Zuverlässigkeit der Gesichtsfelduntersuchung stets von der Tagesform und Mitarbeit des Untersuchten abhängig.